Exkursion zur bitzilla 2018

Am 28.September 2018 fand im Konzerthaus Ravensburg zum dritten Mal die bitzilla statt, die Digitalisierungskonferenz der Schwäbisch Media AG. Der Studiengang „Internet und Online-Marketing“ war auch in diesem Jahr mit 20 Studenten vor Ort dabei.

Eröffnet wurde die bitzilla in diesem Jahr von Leo Klattenhof, der spannende Einblicke in die Fortschritte der Digitalisierung und den Arbeitsalltag eines Digital-Consultants gab. Im Anschluss sprach Professor Klaus Birk über „Design for Digital Literacy“. In einer Talkrunde erörterte Gastgeber Jan Halpape anschließend mit seinen Gästen die Frage, wie digital der Süden Deutschlands heutzutage schon ist. Hierbei wurden sowohl Missstände als auch Erfolge im oberschwäbischen Raum angesprochen. In den letzten beiden Vorträgen des Tages sprachen Professor Bela Gipp über Anwendungsfelder der Blockchain und Trendforscher Sebastian Rassmann über aktuelle Trends und Entwicklungen, die bald unseren Alltag bestimmen könnten.

Die bitzilla war auch in diesem Jahr wieder ein tolles Erlebnis für die Studierenden und der Studiengang „Internet- und Online-Marketing“ freut sich schon auf die bitzilla 2019.

Interview mit Bela Mutschler zum Thema Digitalisierung

Moritz Haag:

Hallo Bela. Klasse, dass du heute Zeit hast!

Bela Mutschler:

Hallo Moritz, schön, dass wir zusammensitzen! Ich freue mich, dass wir uns zum Thema Digitalisierung austauschen.

Moritz Haag:

Du beschäftigst Dich als Informatiker und Hochschullehrer jeden Tag mit der Digitalisierung. Viele Menschen stehen der Digitalisierung mit einem gewissen Ohnmachtsgefühl gegenüber.

Woran liegt das?

Bela Mutschler:

Das ist richtig! Die Digitalisierung überrennt unsere Gesellschaft, Unternehmen und jeden Einzelnen von uns mit unvorstellbarer Dynamik und Wucht. Ein Ohnmachtsgefühl ist hier kaum verwunderlich, gerade in diesen „What-the-Fuck?“-Momenten, wenn wir wieder von irgendeiner verrückten, neuen Anwendung oder einem innovativen, krassen Geschäftsmodell hören. Dieses Ohnmachtsgefühl hat dabei aber wenig damit zu tun, dass die Digitalisierung oder das Internet „Neuland“ sind. Tatsächlich ist die Digitalisierung nicht neu. Genau so wenig wie das Internet, das in drei Jahren immerhin seinen 30ten Geburtstag feiert. Das was dieses Ohnmachtsgefühl auslöst ist vielmehr die Geschwindigkeit, mit der sich die Dinge entwickeln. Um 50 Millionen Menschen zu erreichen, brauchte es für das Telefon 50 Jahre, für das Fernsehen 22 Jahre, für Handys 12 Jahre, für das Internet 7 Jahre, für Facebook 3 Jahre und für Pokemon Go 19 Tage. Die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts ist es, die uns regelmäßig aus den Latschen haut. Das was wir heute kennen und an was wir uns gerade erst gewöhnt haben, ist oft schon morgen veraltet oder out.

Moritz Haag:

Worauf müssen wir uns einstellen?

Bela Mutschler:

Digitalisierung bedeutet immer stärker eine möglichst umfassende und intelligente Verarbeitung von Daten. Natürlich und vor allem eben auch von personenbezogenen Daten. Digitalisierung bedeutet deswegen schon heute, aber zukünftig noch viel mehr die Digitalisierung des Menschen. Ein Beispiel: Über 80% Prozent aller Deutschen zwischen 18 und 29 haben schon mindestens einmal ihr Essen fotografiert und online geteilt. So kommen Millionen von Fotos zusammen, die Auskunft über unser Essverhalten geben. Unternehmen wie Google arbeiten bereits an Anwendungen, die anhand eines Fotos ermitteln, welches Gericht auf einem Foto abgebildet ist, wie viele Kalorien das abgebildete Essen hat oder welche guten und weniger-guten Inhaltsstoffe in ihm enthalten sind. Kann man Letzteres ermitteln, werden natürlich Rückschlüsse darauf möglich, ob sich ein Nutzer gesund oder weniger gesund ernährt. So können aus vermeintlich harmlosen Bildern unter Umständen bald Schlussfolgerungen gezogen werden, die uns heute beim Teilen entsprechender Fotos nicht klar sind, die aber Versicherungskonzerne zum Beispiel brennend interessieren!

Daneben gibt es auch im Bereich Robotik viele spannende, teilweise fast beängstigende Entwicklungen. An Staubsaugerroboter und Mähroboter haben wir uns ja schon gewöhnt. Mittlerweile gibt es aber auch Roboter die Häuser bauen, Roboter die operieren, Roboter die auf zwei Beinen laufen und sogar auf unebenem Grund rennen können. Auch von den fliegenden Drohnentaxis, die schon in wenigen Jahren Menschen in Dubai transportieren sollen, haben vielleicht einige schon gehört oder gelesen.

Moritz Haag:

Viel wird auch über die Auswirkungen der Digitalisierung auf unseren Arbeitsmarkt diskutiert. Über eine sich abzeichnende technologische Arbeitslosigkeit. Wie siehst du dieses Thema?

Bela Mutschler:

Klar ist: Maschinen unterstützen zukünftig nicht mehr nur die Automatisierung einfacher Aufgaben und Arbeitsabläufe, sondern werden zu lernenden Systemen, die ähnlich wie das menschliche Gehirn funktionieren. Dadurch betrifft der durch intelligente Maschinen ausgelöste Strukturwandel immer größere Teile des Arbeitsmarktes. Der Arbeitsmarkt und die Gesellschaft als Ganzes werden sich verändern müssen, um die durch Smart Machines ausgelösten Veränderungen nachhaltig abzufangen. Manche, zugegebenermaßen extrem pessimistische Studien gehen davon aus, dass ab 2030 bis zu 90% aller Arbeitsplätze durch Smart Machines und neuartige Assistenzsystemen gefährdet sind. Andere Studien sagen dagegen, dass im gleichen Atemzug, wie Arbeitsplätze wegfallen, neue Jobs entstehen. In jedem Fall wird die Deindustrialisierung voranschreiten. Der Anteil produzierender Betriebe an der Gesamtwirtschaft wird abnehmen. Der Anteil des Dienstleistungsbereichs wird steigen. Wie das am Ende ausgeht, ist noch nicht seriös abschätzbar. Es kann so oder so laufen.

Moritz Haag:

Ausgelöst durch die Diskussionen um die technologische Arbeitslosigkeit wird zuletzt auch intensiv über das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert. Wie ist das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen? Verrückte Idee oder bedenkenswertes Konzept?

Bela Mutschler:

Die Sache mit dem bedingungslosen Grundeinkommen ist nicht so einfach. Nicht umsonst gibt es hier schon viele dicke Wälzer, die das Thema umfassend und im Detail beleuchten. Eine einfache Antwort gibt es nicht. Ich glaube in jedem Fall, dass das Thema nicht reflexartig abgekanzelt werden sollte. Ich persönlich bin sogar überzeugt, dass es am Ende gar keine andere Option geben wird, denn es wird einfach nicht mehr genug bezahlte Jobs geben. Auch Silicon-Valley-Größen wie Elon Musk oder Dax-Chefs wie Timotheus Höttges und Joe Kaeser sehen das bedingungslose Grundeinkommen kommen. Aber natürlich bleiben die konkrete Ausgestaltung und die Details genau zu überlegen. Das wird dauern.

Exkursion zu Actico


Exkursion zu Actico

Am 24.04.2018 unternahm der Fachbereich Wirtschaftsinformatik unter Begleitung von Prof. Dr. Bela Mutschler und WI-Mitarbeiter Moritz Haag eine Exkursion zu Actico. Als Softwarehaus aus der Bodenseeregion bietet Actico vor allem Softwarelösungen im Finanzbereich, insbesondere im Bereich des Decision Management und Business Rules Management. Um 10 Uhr wurden die Studenten bei Actico empfangen und anschließend gab Volker Großmann, CTO von Actico, den Studenten einen ersten Überblick über das Unternehmen und dessen Geschäftsfelder.

Im Anschluss hörten die Studenten noch zwei weitere Vorträge. Zunächst gab ein Senior Developer Einblicke in den Alltag eines Software-Entwicklers. Anschließend zeigte mit Sabrina Merle eine ehemalige Wirtschaftsinformatik-Studentin, die inzwischen Lead Consultant ist, wie Actico-Software beim Kunden zum Einsatz kommt und dort implementiert wird.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde den Studenten in einer Case-Study das Entwickeln nach agilen Methoden näher gebracht.

Als Abschluss des Tages wartete auf die Studenten ein kreatives Code-Rätsel, bei dem die Studenten in kleineren Teams gegeneinander antraten. Als „King oft the hill“ gab es für das beste Team sogar etwas zu gewinnen.

Der Fachbereich Wirtschaftsinformatik bedankt sich an dieser Stelle bei Actico für den sehr gut organisierten und für die Studenten sicherlich sehr lehrreichen Tag.

Exkursion zur Internet World Expo in München

Jochen Schweizer auf der Internet World Expo 2018

25 Studenten des Studiengangs Internet- und Onlinemarketing machten sich am Dienstag, den 06.03.2018 schon um 6 Uhr morgens mit einem Bus auf den Weg nach München. Ziel war die E-Commerce-Messe „Internet World Expo“.

Bei mehr als 400 Ausstellern konnten die Studenten viele neue und innovative Angebote kennen lernen und viele Kontakte knüpfen. Die Messe bot mit über 250 Speakern aber auch ein sehr interessantes Rahmenprogramm mit Fachvorträgen zu Themen aller Art.

In den verschiedenen „Info-Arenen“ konnten die Studenten vor allem fachspezifische Vorträge hören, bei denen meist Aussteller in 20 Minuten sehr konkret auf Themen eingingen. In der größeren „Trend-Arena“ waren prominente Gäste geladen, die über die Trends und Zukunft der Branche sprachen.

Schon am Vormittag sprach Prof. Dr. Gerrit Heinemann über den Wandel des elektronischen Handels von der klassischen Desktop-Oberfläche zu den mobilen Endgeräten. In seinem Vortrag“mobile only statt mobile first“ rief er dazu auf den Fokus im E-Commerce nur noch auf den app-basierten Verkauf zu legen und wieß darauf hin, dass die deutschen Unternehmen sich hier wieder einmal „die Butter vom Brot nehmen ließen“ weil sie diesen Trend nicht früh genug erkannten.

Anschließend erzählte Jochen Schweizer aus seinem bewegten Leben und wie er vom einfachen „verrückten Kanute“ zum Bungee-Pionier und später zu einem Unternehmer im digitalen Handel wurde. Er gewährte dem Publikum hierbei auch Einblicke in die dunkleren Kapitel dieser Geschichte, als nach den Terroranschlägen am 11.09.2001 die Eventbranche zusammenbrach und seine Firma beinahe konkurs ging. „Ich war mittellos“ gestand er dem Publikum. Aber anschließend konnte er berichten, dass er aus der Not eine Tugend machte und sein Unternehmen erfolgreich zum Internet-Unternehmen umgestaltete und nur noch digitale Vertriebswege nutze.

In einem späteren Vortrag berichtete Daniel Krauss, CIO bei Flixbus, „warum Flixbus auf Big Data statt Busse setzt“. Krauss machte dem Publikum schnell klar, dass dies keine Floskel war und überraschte dabei mit einer erstaunlichen Zahl. „Wir besitzen 2 Busse. Und die haben wir nur, um als Verkehrsunternehmen anerkannt zu werden.“ erzählte er. Daten auszuwerten sei das eigentliche Geschäftsmodell bei Flixbus. Diese Daten werden genutzt um die Gestaltung des Verkehrsnetzes ständig zu überwachen und auszuwerten, aber auch um Preise festzulegen und diese ständig mit der Konkurrenz abzugleichen. Krauss wies vor allem darauf hin, wie wichtig es sei diese Daten dann verständlich und übersichtlich auszuwerten und präsentierte dem Publikum auch die „Dashboard“-Lösung die Flixbus hierfür einsetzt.

Am Nachmittag sprach Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP zum Publikum in der Trend-Arena. Er ging hierbei auf die aktuellen Entwicklungen in Berlin – wie der Gründung eines Staatsministeriums für Digitalisierung – ein, sprach aber auch über die grundsätzlichen Herausforderungen die das Thema Digitalisierung aufbringt. Er prangerte hierbei an, dass Deutschland beim Glasfasernetz-Zugang statistisch näher an Nord- denn an Südkorea sei. Lindner kritisierte auch dem Umgang mit den global playern, wie Amazon, Facebook und Google, die in Deutschland kaum Steuern bezahlen müssten. Auch die drohende Arbeitslosigkeit wenn im Zuge der Digitalisierung Jobs wegfielen war ein Thema. Lindner sprach sich hierbei für eine flexiblere und einfachere Weiterbildungspolitik aus.
Im anschließenden Dialog mit der Moderatorin ging Lindner auch noch auf Themen wie eine „Robotersteuer“ ein, die er strikt ablehne, weil er sie als „Strafe für Produktivitätssteigerung“ sehe.

Die „Internet World Expo“ war für den Studiengang Internet- und Onlinemarketing ein voller Erfolg, die Studenten konnten hierbei viele Inhalte, aber auch Kontakte mitnehmen, so dass einer Wiederholung im nächsten Jahr nichts im Wege steht.

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Moritz Haag am 07.03.2018

 

Wirtschaftsinformatik wieder unter den Top Ten

Hochschulrankings blicken in der Regel aus der Perspektive der Studierenden auf die gehobenen Bildungsanstalten. Die Zeitschrift Wirtschaftswoche hat für ihre Bestenliste dagegen die Unternehmensbrille aufgesetzt und mehr als 500 Personalverantwortliche befragt, von welchen Hochschulen sie am liebsten Absolventen rekrutieren. In dieser aktuellen Studie landet die „Wirtschaftsinformatik“ der Hochschule Ravensburg-Weingarten, wie bereits im Vorjahr, bundesweit in den Top Ten. Die insgesamt vier Studiengänge, die an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Weingarten unter dem Dach der Wirtschaftsinformatik angeboten werden, haben sich sogar um einen Platz verbessert und belegen im Ranking 2018 Rang 8.

Unmittelbarer Praxisbezug

Wie schaffen es die Besten, ihre Absolventen auf eine sich immer schneller wandelnde Berufswelt vorzubereiten? Als Antwort auf diese Frage findet die Wirtschaftswoche im Praxisbezug einen wesentlichen Erfolgsfaktor. Haben Studierende gelernt, ihr Wissen auch anzuwenden und in Teams zu arbeiten, dann sind sie „bei den Unternehmen besonders beliebt“. Der Rektor der Hochschule in Weingarten, Professor Dr. Thomas Spägele, sieht darin gerade das Spezifikum der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften: „Anwendungsbezogenes Lehren, Lernen und Forschen zeichnet uns als HAW aus. Für unsere Studierenden findet der Transfer von der Theorie in die Praxis schon während des Studiums oder etwa im Rahmen des obligatorischen Praxissemesters statt.“

Um Studierende auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, muss man dessen Anforderungen kennen. Auch an diesem Punkt sieht sich die Hochschule in Weingarten gut aufgestellt. „Alle unsere Professorinnen und Professoren kommen aus der Berufspraxis“, sagt Professorin Dr. Heidi Reichle, die an der HRW den Studiengang Wirtschaftsinformatik plus Lehramt verantwortet. „Und zusätzlich haben wir eine Vielzahl von Lehrbeauftragten, die mit unseren Studierenden direkt an Fragstellungen aus ihrem unmittelbaren Berufsalltag arbeiten.“ Professor Dr. Bela Mutschler, Leiter des Studiengangs Internet und Onlinemarketing, ergänzt: „Mit diesen Wahlfächern können unsere Studierenden ihre Interessensgebiete individuell vertiefen.“

„Realisiere deinen Traum“

Der Fachbereich hat sich an der Hochschule in Weingarten in den vergangenen Jahren neu aufgestellt: Neben der klassischen „Wirtschaftsinformatik“, die vor allem auf ein industrielles Umfeld zielt, wird der Studiengang „Internet und Online-Marketing“ angeboten. Er ist stärker auf die Consumer-Schnittstelle fokussiert. Der Studiengang „Wirtschaftsinformatik plus Lehramt“ verbindet das Fachwissen mit einer pädagogischen Zusatzqualifikation. Alle drei Bachelor-Abschlüsse sind berufsqualifizierend. Ein weiterführender Masterstudiengang komplettiert das WI-Angebot in Weingarten. Für den Master im Lehramtsstudiengang schreiben sich die Studierenden dagegen an der PH ein. „Ungefähr ein Drittel unserer Lehramt-Studierenden landet nach dem Studium im Lehrerberuf“, sagt Heidi Reichle. „Die pädagogischen Kenntnisse sind nämlich durchaus auch in der Industrie eine gefragte Zusatzqualifikation.“

Zwei Megatrends benennt die Wirtschaftswoche in ihrer Studie: Die Digitalisierung und die Internationalisierung. Diese Stichworte greift Professor Dr. Jürgen Friedl auf: „Wirtschaftsinformatik ist bei uns ein Synonym für Digitalisierung. Und viele unserer Studierenden nutzen ihr Praxissemester, um bereits während des Studiums internationale Erfahrungen zu sammeln“, so der Leiter des Bachelor- sowie des Masterstudiengangs Wirtschaftsinformatik. Und das besondere an der Wirtschaftsinformatik sei, so Friedl, dass die Absolventinnen und Absolventen in den unterschiedlichsten Branchen unterkommen. „Wir kennen keine arbeitslosen Wirtschaftsinformatiker“, ergänzt seine Kollegin Heidi Reichle. „Wenn Studierende zu mir kommen und fragen, was ich ihnen für das Praxissemester empfehle, dann sage ich: Das geht überall. Realisiere deinen Traum.“

Text: Christoph Oldenkotte
veröffentlicht von: Öffentlichkeitsarbeit HS Weingarten

Exkursion zur Digitalkonferenz in Ravensburg

Die Digitalisierung ist ein Megathema unserer Zeit. Um dem Austausch zwischen den digitalen Köpfen und den Gründern der Region eine Plattform zu geben, veranstaltet die Schwäbisch Media Digital seit 2016 die „bitzilla“ im Konzerthaus Ravensburg. In diesem Jahr besuchten auch 21 Studierende des Studiengangs Internet und Online-Marketing der Hochschule Ravensburg-Weingarten die Konferenz.

Der Geist, der bei dieser Konferenz vorherrschte, wurde bereits in der Eröffnungsrede von Jan Halpape, Geschäftsführer von Schwäbisch Media Digital, deutlich. Anstatt darum zu bitten, die Handys auszuschalten, forderte er das Publikum auf, den Abend live unter dem Hashtag „bitzilla17“ in allen sozialen Netzen zu kommentieren und zu diskutieren. Halpape stellte fest, die Deutschen bewegten sich bei diesem Thema derzeit zwischen „Panik und Euphorie“. Zum einen befürchteten viele den Verlust von Arbeitsstellen, während die junge Generation sich auf eine neue Arbeitswelt freue.

„Wir lieben es. Wir sehen uns darin, es ist Magie!“, beschrieb Ibrahim Evsan sein Smartphone im ersten Vortrag des Abends und traf damit direkt den Nerv der Zuhörer. „Sorgt dafür, dass eure Kollegen den digitalen Weg verstehen. Schmeißt die Menschen raus, die Bullshit Bingo spielen“, appellierte er vor allem an die junge Generation, die als digitale Experten Führungskräfte werden sollen. Evsan bemängelte, viele Unternehmen verfügten über keine digitale Strategie. „Viele Mitarbeiter kennen noch nicht mal Slack“. Schließlich riet er den Unternehmen, in den sozialen Netzwerken mehr Profil zu zeigen, und nicht nur als Marke aufzutreten. „Menschen folgen lieber Menschen als Marken.“

Anschließend sprach Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin des in Obereisenbach ansässigen Unternehmens Vaude Sports. Sie erklärte, dass ihr Unternehmen versuche die Digitalisierung und das Thema Nachhaltigkeit gemeinsam zu gestalten. Vorgefertigte Lösungen seien in diesem Bereich nicht zu erwarten und so müsse auch ein mittelständisches Unternehmen hier Pionierarbeit leisten. Von Dewitz zeigte, wie Unternehmen digitale Vertriebswege und Schnittstellen zu ihren Kunden und Händlern nutzen können.

Neuroinformatiker Dr. Michael Schmuker war extra aus London zur bitzilla angereist. Seine Reiseplanung von London über Frankreich bis zum Konzerthaus Ravensburg übernahm kein Reiseunternehmen, sondern Google Maps. „Vor 10 Jahren wäre das noch anders gewesen“, erklärte er dem Publikum. Aber Google Maps sei in der Reiseplanung inzwischen „übermenschlich“. Die Route von London nach Ravensburg wird per Auto, Zug oder Flugzeug angeboten, mit Angabe von Umstiegen, Reisedauer und ungefähren Kosten. Und das alles innerhalb von Sekunden. Die Überlegenheit der Maschinen sah Schmuker beispielsweise auch in der Gesichts- und Bilderkennung oder beim Autofahren. Zu den Bereichen, die durch diese Entwicklungen besonders betroffen sind und sich bald auch im Alltag verändern könnten, zählte er den medizinischen (Diagnostik) und den juristischen Bereich sowie die Spracherkennung. Für die Zukunft nannte er vor allem die selbst lernenden Systeme und die Robotik.

Für die Studierenden der Hochschule Ravensburg-Weingarten bot der Vortrag von Schmuker auch Informationen über neuronale Netze und Entscheidungsbäume – Themen, die sie in der Vorlesung Business Intelligence selbst kennen lernen.

Zum Schluss betrat Seriengründer, Start-Up-Investor und Gründercoach bei „Die Höhle der Löwen“ Felix Thönessen die Bühne. Er unterhielt sein Publikum mit einem Feuerwerk aus Gags, interessanten Start-Up-Erfolgs- und Misserfolgsgeschichten, Ratschlägen für die junge Generation und Anekdoten aus seinem Leben.

Die Studierenden waren sehr begeistert von der diesjährigen „bitzilla“ und – so war zu hören – möchten auch nächstes Jahr wieder dabei sein.

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Text: Moritz Haag/Katharina Koppenhöfer
Veröffentlicht am 23.10.2017